Industrialisierung und ihre Folgen

Der Begriff Industrialisierung ist auch unter dem Synonym industrielle Revolution bekannt. Dadurch ergibt sich bereits der Inhalt des Begriffes. Er beschreibt die Umstrukturierung der Wirtschaft sowie die der Gesellschaft. Ein während der Industrialisierung stattfindender Prozess wäre zum Beispiel die Verlagerung der Wirtschaft von Handarbeit auf Maschinenarbeit. Eine allgemeine zeitliche Einschränkung der industriellen Revolution ist nicht vorhanden, jedoch geht man vom Beginn des 19. Jahrhunderts aus und der Prozess zog sich bis hinein in das 20. Jahrhundert, also ungefähr über 100 Jahre hinweg.

Geschichtlicher Abriss

Mit der Entwicklung von Dampfmaschine und Eisenbahn begann auch die Industrialisierung

Mit der Entwicklung von Dampfmaschine und Eisenbahn begann auch die Industrialisierung

England galt zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Handels- und Industriemacht. Dadurch verbesserte sich die gesellschaftliche Situation. Innerhalb der ersten 50 Jahre verdoppelte sich die Bevölkerungszahl. Neue Produktionsformen verbesserten zudem die Arbeitswelt. Als wohl einflussreichste Erfindung zählt die Dampfmaschine von 1865. Die Arbeit wurde somit mechanisiert und Fabriken konnten unabhängig von Wind oder Wasser errichtet werden. Das Fabriksystem wurde revolutioniert. Der Einsatz von Eisenbahnen verfrachtete die hergestellten Güter um ein vielfaches schneller. Weitere Erfindungen wären die Spinnmaschine und der maschinelle Webstuhl, welche die Textilproduktion ankurbelten.

Von England aus gelangte der Prozess der Industrialisierung auf das europäische Festland. Deutschland ist vorerst jedoch im Rückstand. Erst die Bauernbefreiung (freie Wohnort- und Berufswahl) sowie die Gewerbefreiheit legten den Grundstein für ähnliche Fortschritte wie in England. Die Reichsgründung sorgte zudem für einen nationalen Wirtschaftsraum ohne Zölle. Frankreichs Reparationszahlungen an Deutschland (5. Mrd. Franc) waren eine weitere Voraussetzung. Deutschlands Prozess der Industrialisierung wurde weiterhin durch die Eisenbahn gefördert. Das Ruhrgebiet entwickelte sich zum Mittelpunkt der Kohleförderung, besonders in Form der Firma Krupp. In Sachsen profitierten die Menschen 1850 bereits von der Industrie und vom Handwerk. Vor allem der Maschinenbau erlebte einen regelrechten Boom, schon in der frühen Phase der Industrialisierung ab 1820. Dieser Boom erstreckte sich ab 1850 auf Gesamt-deutschland, da die Nachfrage nach Konsumgütern (Textilien, Tabak und sonstige Genussmittel) stieg. Steigende Löhne ließen die Arbeiterschaft von der Industrialisierung profitieren.

Industrialisierung und Urbanisierung

Als eine Folge der Industrialisierung wird die Urbanisierung angesehen. Durch die industrielle Revolution wanderten viele Menschen, die vorher in ländlichen Regionen lebten, in die Städte, um in den hiesigen Fabriken mehr Geld erwirtschaften zu können. Es kam dadurch zu einer regelrechten Landflucht. Die Menschen wohnten nun näher an ihrer Arbeitsstelle, es kam zum Wachstum der Städte, dem sogenannten Prozess der Verstädterung. Allerdings verschlechterten sich dadurch auch die Wohnverhältnisse der Arbeiter. Leben auf extrem geringem Wohnraum, Wohnungsnot und fehlende Hygiene waren die katastrophalen Folgen dieses Prozesses. Stadtregionen in denen diese Zustände herrschten sind auch als Slums bekannt.

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